Bei Hinweisen auf sexuellen Missbrauch reagieren!

Die Medien berichten seit gestern über mögliche Missbrauchsfälle in einem Ferienlager auf Ameland (z.B. Spiegel-Online). Verwirrend ist dabei, dass immer wieder betont wird, die Betreuer seien von den Teilnehmern informiert worden, hätten sich aber überfordert gefühlt oder keinen Anlass für ein Eingreifen gesehen.

Bei Prätect findet man grundlegendes dazu, wie man als Jugendleiter reagieren sollte, wenn man von Jugendlichen ins Vertrauen gezogen wird. (Danke an den Jugendleiterblog für den Link.) Die Rundschau schreibt heute (22.07.2010, S. 13):

Betreuer müssen nicht nur gut geschult sein, sie brauchen auch Mut. Es hätte wohl kaum gereicht, einzelne Täter nach Hause zu schicken […]. Das aber bedeutet nicht nur, Jugendlichen stark gegenüberzutreten, sondern auch Eltern und womöglich den Sportbund zu verärgern.

Das klingt so simpel wie einleuchtend: Die Betreuer müssen nicht nur sehr gut geschult sein, sondern auch ein notwendiges Maß an Zivilcourage entwickeln. Wir werden das sicher in unsere nächsten Schulungen einfließen lassen. Beim Institut für Friedenspädagogik findet man noch eine Linksammlung zum Thema Zivilcourage.

UPDATE: Der Deutsche Bundesjugendring hat eine Stellungnahme veröffentlicht zur Frage, ob ehrenamtliche Jugendleiter ein Führungszeugnis benötigen. Auf der Homepage erklärt der DBJR:

Christian Wulff, Bundespräsident, lehnte in seiner damaligen Funktion als Ministerpräsident des Landes Niedersachsen ein polizeiliches Führungszeugnis für Ehrenamtliche ab. Das erklärte er Ende Mai auf dem Sommerfest der Niedersächsischen Landesregierung.

Der DBJR macht in einer Stellungnahme ebenfalls deutlich, dass verpflichtende Führungszeugnisse für alle Ehrenamtlichen in der Jugendverbandsarbeit – analog der Führungszeugnispflicht für hauptberufliche Fachkräfte im § 72a SGB VIII – kein geeignetes Mittel der Prävention sexualisierter Gewalt sind, sondern kontraproduktive Wirkungen entfalten können.

Über Kai Hennig

Hallo, ich zeichne hier für die meisten Artikel verantwortlich. Weiterhin kümmere ich mich um das Ferienprogramm der KiJu und bin Ansprechpartner für die Jugendberufshilfe.
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1 Antwort zu Bei Hinweisen auf sexuellen Missbrauch reagieren!

  1. Kai Hennig sagt:

    Die Katholische Junge Gemeinde hat eine umfangreiche Arbeitshilfe zur Sexualpädagogik verfasst die kostenlos heruntergeladen werden kann.

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